Neubau A 445 Werl-Nord bis Hamm-Rhynern

Nicht zukunftsorientiert, überflüssig und unökologisch.

Naturschutzverbände und Bürgerinitiative fordern sofortigen Stopp der Neubauplanungen.

Gemeinsam mit der Bürgerinitiative "StoppT A445" fordern die drei anerkannten Naturschutzverbände in NRW, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und der Naturschutzbund NRW (NABU) jegliche Planung zum Weiterbau der A 445 zwischen Werl-Nord und Hamm-Rhynern sofort einzustellen. Dieses ist das Ergebnis der im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens von den Naturschutzverbänden eingereichten umfangreichen » Stellungnahme(PDF, 324 kB), in der der Bau der neuen Autobahntrasse als ökologische bedenklich, verkehrsplanerisch überflüssig und insgesamt nicht zukunftstauglich zur Lösung regionaler Verkehrsprobleme eingestuft wird.

So werden die Auswirkungen des Autobahnbaus auf das europaweit bedeutsame FFH- und Vogelschutzgebiet "Hellwegbörde" in den vorliegenden Gutachten nicht ausreichend berücksichtigt. Generell wird der Artenschutz mangelhaft behandelt: Sämtliche streng geschützten Vogelarten wie Rohr- und Wiesenweihe, aber auch Arten wie Kiebitz, Feldlerche und Neuntöter werden systematisch in ihrer Bestandsgröße falsch erfasst. Ebenfalls mangelhaft ist die Erfassung der Amphibien und Fledermäuse. Zu den Artengruppen der Reptilien, Libellen, Tagfalter und Heuschrecken liegen überhaupt keine Untersuchungen vor. "Hier geht es um den Schutz europaweit bedeutsamer Arten und Lebensräume. "Überflüssige Planungen wie die A 445 mit einer solchen schlechten gutachterlichen Grundlage dürften in der Umsetzung überhaupt keine Chance mehr bekommen", so Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW.

Auch aus verkehrsplanerischer Sicht sei die A 445 absolut überflüssig: Nur wenn die A 46 von Hemer nach Neheim gebaut würde - wovon in absehbarer Zeit niemand ausgeht, da noch nicht einmal eine verträgliche Trasse gefunden wurde - würde die A 445 mit der A 46 eine östliche Umfahrung des Ruhrgebiets darstellen. Dies hätte eine massive Verlagerung von Verkehrsströmen in die Region zur Folge. Ludger Palz, Pressesprecher der BI StoppT A445: "Statt Verkehrsprobleme zu lösen, wird der Verkehr in der Region mehr als verdoppelt und 40.000 Kfz würden dann täglich durch ein bislang attraktives Naherholungsgebiet geführt werden." Auch die vor Ort erwartete Entlastungswirkung für die B63 kann nicht in der von den Planern bezifferten Stärke erreicht werden, da durch die A 445 kaum Reisezeitvorteile gegenüber der B63 realisierbar seien.

Zudem ist die A 445 insgesamt nicht zukunftsorientiert. Selbst Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sagte in einem Interview mit der WAZ im Herbst 2010: "Neue Autobahnen helfen nicht weiter, um die Verkehrsprobleme in NRW zu lösen." Im Bundesland mit der höchsten Autobahndichte stellt weiterer Straßenbau keine zeitgemäße Lösung für Verkehrsprobleme mehr dar, ganz zu schweigen von einem Beitrag zum Klimaschutz. "Der Straßenneubau in NRW muss als beendet angesehen werden", so der BUND-Landeschef Paul Kröfges. "Künftig sollte es nur noch um die Optimierung und das bessere Management des bestehenden Netzes gehen. Die verfügbaren Mittel, die NRW aus dem Bundeshaushalt zustehen, reichen dazu gerade aus."

Mark vom Hofe, Vorsitzender der LNU, in dessen Verband die BI "StoppT A445" Mitglied ist, verweist auf den Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung. Dort heißt es: "Beim Ausbau der Bundesfernstraßen werden wir sicherstellen und gegenüber dem Bundesverkehrsministerium einfordern, dass vor dem Beginn von neuen Vorhaben aus dem vordringlichen Bedarf des Bundesfernstraßenbedarfsplans zunächst alle fest disponierten Vorhaben des vordringlichen Bedarfs fertig zu stellen sind." "Eindeutiger geht es nicht", sagt der LNU-Vorsitzende. Wo bisher kein Planungsrecht existiere, könne auch kein Planverfahren geschweige denn ein Ausbau erfolgen. Der Autobahnneubau der A 445 von Werl nach Hamm sei im aktuellen Bundesverkehrswegeplan jedoch als "neues Vorhaben" eingestuft. "Was sich die Straßenbauverwaltung Strassen.NRW hier leistet, ist absolut unverständlich und eindeutig gegen den Koalitionsvertrag. Der Landesbetrieb handele völlig eigenständig und habe ohne ausdrückliche Zustimmung des Verkehrsministeriums das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Auch deshalb müsse es sofort gestoppt werden.